Was brauchen Katzen wirklich? Die Grundlagen der artgerechten Katzenernährung

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~10–12 Minuten Lesezeit

Viele Katzenhalter stehen früher oder später vor derselben Frage: Was braucht meine Katze eigentlich wirklich, um gesund zu bleiben? Zwischen Trockenfutter, Nassfutter, getreidefrei, „Premium“-Labels und widersprüchlichen Empfehlungen fällt es besonders Einsteigern schwer, den Überblick zu behalten. Fakt ist: Katzen haben sehr spezielle Ernährungsbedürfnisse – und nicht jedes Futter wird diesen gerecht. Eine falsche Nährstoffzusammensetzung kann langfristig zu Übergewicht, Organproblemen oder Mangelerscheinungen führen.

Katzen sind obligate Karnivoren – das bedeutet, ihr Körper ist evolutionär darauf ausgelegt, Nährstoffe fast ausschließlich aus tierischen Quellen zu beziehen. Zahlreiche veterinärmedizinische Studien und Empfehlungen von Tierärzten zeigen, dass Fehler in der Katzenernährung zu den häufigsten Ursachen für chronische Gesundheitsprobleme zählen, darunter Nierenerkrankungen, Diabetes oder Zahnprobleme.

In diesem Artikel erfährst du die grundlegenden Bausteine einer artgerechten Katzenernährung: Welche Nährstoffe unverzichtbar sind, in welchen Mengen sie vorkommen sollten, welche Inhaltsstoffe problematisch sind – und wie du gesundes Katzenfutter sicher erkennst. So triffst du fundierte Entscheidungen für ein langes, gesundes Katzenleben

Dies sind nur grobe Richtlinien, jede Katze ist individuell und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Sprich es bei Besonderheiten bitte mit deinem Tierarzt ab.

Warum Katzenernährung so speziell ist

Katzen sind obligate Fleischfresser und benötigen Nährstoffe, die fast ausschließlich in tierischen Produkten vorkommen – ihr Stoffwechsel ist nicht auf pflanzliche Ernährung ausgelegt.

Im Gegensatz zu Hunden können Katzen viele lebenswichtige Nährstoffe nicht selbst synthetisieren. Dazu zählen unter anderem Taurin, Vitamin A in aktiver Form und Arachidonsäure. Ihr Verdauungssystem ist kurz, ihre Enzymausstattung spezialisiert – alles Hinweise darauf, dass Beutetiere (Mäuse, Vögel) das natürliche Vorbild sind.

Schlussfolgerung

  • Hoher Bedarf an tierischem Protein
  • Geringe Toleranz für Kohlenhydrate
  • Hoher Feuchtigkeitsbedarf über die Nahrung

Protein – der wichtigste Nährstoff für Katzen

Erwachsene Katzen benötigen mindestens 30–40 % Rohprotein in der Trockensubstanz, idealerweise aus hochwertigen tierischen Quellen.

Warum Protein so essentiell ist

Protein liefert Aminosäuren, die für:

Muskelaufbau und -erhalt

Immunsystem

Haut, Fell und Krallen

Enzym– und Hormonproduktion

unverzichtbar sind.

Worauf du achten solltest

hochwertiger Proteinbedarf:

  • Muskelfleisch wie Rind, Pute und Huhn
  • Herz und Leber nur in moderaten Mengen
  • Fisch, jedoch nicht ausschließlich

Problematisch:

  • Pflanzliche Proteine wie Soja oder Erbsenprotein als Hauptquelle
  • Tierische Nebenerzeugnisse“ ohne klare Deklaration

Hoher Feuchtigkeitsbedarf über die Nahrung:

  • Nassfutter: ≥ 8–12 % Rohprotein
  • Trockenfutter: ≥ 30–40 % Rohprotein

Fette: Energiequelle und Zellschutz

Fette sollten ca. 15–25 % der Energiezufuhr ausmachen und essenzielle Fettsäuren enthalten.

Funktionen von Fett

Hochkonzentierte Energie

Aufnahme fettlöslicher Vitamine

Gesunde Haut & glänzendes Fell

Entzündungshemmende Wirkung von Omega-3

Gute Fettquellen

Geflügelfett

Lachsöl

Fischöl

Zu viel Fett kann jedoch Übergewicht begünstigen – Balance ist entscheidend.

Kohlenhydrate: Braucht eine Katze sie wirklich?

Nein – Katzen haben keinen physiologischen Bedarf an Kohlenhydraten.

Warum sie trotzdem im Futter landen

  • Kostengünstiger Füllstoff

  • Technisch nötig für Trockenfutter

  • Verlängert Haltbarkeit

Empfehlung

  • Nassfutter: < 5 % Kohlenhydrate
  • Trockenfutter: möglichst < 20 %

Risiken durch Kohlenhydrate

  • Übergewicht & Verdauungsprobleme
  • Diabetes mellitus

Vitamine und Mineralstoffe: klein, aber lebenswichtig

Vitamine und Mineralstoffe müssen in exakt abgestimmten Mengen enthalten sein – Über- und Unterversorgung sind gleichermaßen gefährlich.

Wichtige Mikronährstoffe

  • Calcium & Phosphor: Knochen & Zähne (optimales Verhältnis ca. 1,2:1)

  • Vitamin A: Sehkraft, Haut (nur tierische Quelle!)

  • Vitamin D: Kalziumstoffwechsel

  • Zink & Eisen: Immunsystem & Blutbildung

Deshalb ist unausgewogene Eigenfütterung ohne Supplemente riskant.

Taurin – der unterschätzte Schlüsselstoff

Taurin ist für Katzen lebensnotwendig und muss täglich über die Nahrung aufgenommen werden.

Richtwert:

  • Nassfutter: ≥ 0,1 %

  • Trockenfutter: ≥ 0,2 %

Folgen eines Taurinmangels

  • Herzmuskelerkrankung (DCM)
  • Netzhautdegeneration → Erblindung
  • Fruchtbarkeitsprobleme

Wasser & Feuchtigkeit: oft unterschätzt, extrem wichtig

Katzen nehmen Wasser bevorzugt über die Nahrung auf – Nassfutter unterstützt die Nierengesundheit deutlich besser.

Warum das so wichtig ist

  • Katzen trinken von Natur aus wenig

  • Chronische Nierenerkrankungen sind häufig

  • Harnsteine entstehen bei zu konzentriertem Urin

Empfehlung

  • Hauptsächlich Nassfutter füttern

  • Mehrere Wasserstellen anbieten

  • Trinkbrunnen nutzen

Hinweis: dieses Thema wird in einem separaten Artikel im detail behandelt

Vitamine und Mineralstoffe: klein, aber lebenswichtig

Idealwerte (Trockensubstanz)

Protein: 30–45 %

Fett: 15–25 %

Kohlenhydrate: < 10 %

Feuchtigkeit (gesamt): möglichst hoch

Diese Werte orientieren sich am natürlichen Beutetier.

Häufige Fehler in der Katzenernährung

Zu viel Trockenfutter

Unklare Deklarationen

„Getreidefrei“ ≠ automatisch gesund

Falsche Portionsgrößen

Zu viele Snacks

Weniger ist oft mehr – Qualität vor Quantität.

Fazit: Die Basics richtig umsetzen

Eine artgerechte Katzenernährung basiert nicht auf Trends, sondern auf biologischen Fakten. Hochwertiges tierisches Protein, ausreichend Fett, minimale Kohlenhydrate, essentielle Mikronährstoffe und genügend Feuchtigkeit bilden das Fundament für ein gesundes Katzenleben. Wer die Grundlagen versteht, kann Futter kritisch bewerten und bewusste Entscheidungen treffen – zum Wohl der Katze

Achtest du beim Katzenfutter eher auf die Zutatenliste oder auf Marketingbegriffe?

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