BARF für Hunde – sinnvoll, gefährlich oder Geschmackssache?
~10–12 Minuten Lesezeit
Immer mehr Hundebesitzer stellen sich die Frage:
Ist BARF die natürlichste und gesündeste Ernährung – oder birgt sie unterschätzte Risiken?
Gerade für neue Hundehalter wirkt BARF oft logisch: Wölfe fressen schließlich auch rohes Fleisch. Doch moderne Haushunde leben anders, haben andere Bedürfnisse – und wir tragen die Verantwortung für ihre Gesundheit.
In diesem Artikel erfährst du: was BARF wirklich bedeutet, wie eine BARF-Ration korrekt aufgebaut wird, welche Risiken wissenschaftlich belegt sind, für welche Hunde BARF geeignet sein kann – und für welche eher nicht. Ebenso wie du eine fundierte Entscheidung triffst.
Die Informationen basieren auf veterinärmedizinischen Leitlinien, wissenschaftlichen Studien und Empfehlungen anerkannter Fachorganisationen.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung durch Tierärzte oder zertifizierte Ernährungsberater.
Themenübersicht
Was bedeutet BARF überhaupt?
BARF steht für:
„Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“
Das Konzept basiert auf der Idee, Hunde möglichst naturbelassen zu ernähren — ähnlich wie ihre wilden Vorfahren.
Eine klassische BARF-Ration besteht aus:
rohem Muskelfleisch
Innereien (z. B. Leber)
rohen fleischigen Knochen
Gemüse
Obst
Ölen
Mineralstoffzusätzen
Warum entscheiden sich Hundehalter für BARF?
Viele nennen folgende Gründe:
Kontrolle über alle Zutaten
Verzicht auf Zusatzstoffe
„Natürlichkeit“
bessere Fellqualität
kleinere Kotmengen
Doch: Sind diese Vorteile wissenschaftlich gesichert?
Mehr über die Nährstoffe, welche dein Hund braucht, gibt es hier.
Die Vorteile von BARF – was spricht dafür?
1. Hohe Transparenz
Du weißt genau, was im Napf landet.
Keine unklar deklarierten „tierischen Nebenerzeugnisse“.
2. Hoher Feuchtigkeitsgehalt
Rohfleisch enthält ca. 60–75 % Wasser — ähnlich wie Nassfutter.
Das unterstützt die Flüssigkeitsaufnahme.
3. Individuelle Anpassung möglich
Bei Allergien oder Unverträglichkeiten kann BARF gezielt angepasst werden.
Die Risiken von BARF – was oft unterschätzt wird
Hier wird es besonders wichtig.
1. Nährstoffmängel durch falsche Zusammensetzung
Studien zeigen, dass viele selbst zusammengestellte BARF-Rationen:
zu wenig Calcium
zu wenig Jod
zu viel Phosphor
unausgewogene Spurenelemente
enthalten.
siehe: Dillitzer et al. (2011) untersuchten 95 BARF-Rationen — über 60 % waren nicht bedarfsdeckend.
2. Bakterielle Belastung
Rohfleisch kann enthalten:
Salmonellen
Listerien
E. coli
Diese können:
Hunde infizieren
- oder auf Menschen übertragen werden
Besonders kritisch in Haushalten mit:
Kindern
Senioren
immungeschwächten Personen
siehe: Finley et al. (2007) zeigten erhöhte Salmonellen-Ausscheidung bei roh gefütterten Hunden.
3. Knochenproblematik
Roh gefütterte Knochen können verursachen:
Zahnfrakturen
Verstopfung
Darmverletzungen
Ist BARF für meinen Hund geeignet?
BARF kann sinnvoll sein, wenn:
du dich intensiv einarbeitest
Rationen berechnen kannst
hygienisch arbeitest
regelmäßige Blutkontrollen erfolgen
BARF ist riskant, wenn:
du „nach Gefühl“ fütterst
keine Supplemente ergänzt werden
dein Hund Welpe ist
dein Hund Vorerkrankungen hat
Für wen ist BARF sinnvoll?
Eine grobe Orientierung (für gesunde erwachsene Hunde):
70–80 % tierische Bestandteile
20–30 % pflanzliche Komponenten
gezielte Mineralstoffergänzung
Aber!
Die tatsächlichen Bedarfe hängen ab von:
Alter & Gewicht
Aktivitätsniveau
Gesundheitszustand
Hier sind Rationsberechnungen Pflicht.
BARF bei Welpen – besonders riskant
Welpen benötigen:
exakt abgestimmtes Calcium-Phosphor-Verhältnis
kontrolliertes Wachstum
präzise Energiezufuhr
Fehler können führen zu:
Skelettfehlentwicklungen
Wachstumsstörungen
Laut NRC (2006) sind Jungtiere besonders empfindlich gegenüber Mineralstoffungleichgewichten.
Was sagen Tierärzte & Fachorganisationen?
WSAVA empfiehlt bei Rohfütterung besondere Hygienemaßnahmen
FEDIAF betont bedarfsdeckende Nährstoffversorgung
Viele Tierkliniken berichten über vermeidbare Mangelzustände bei unsachgemäßer BARF-Fütterung
Fazit: Sinnvoll, gefährlich oder Geschmackssache?
BARF ist keine Modeerscheinung — aber auch kein automatisch gesunder Königsweg. Richtig umgesetzt kann es funktionieren. Falsch umgesetzt kann es ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Ist BARF gut oder schlecht?“, Sondern:„Bin ich bereit, es fachlich korrekt umzusetzen?“
Checkliste: Bevor du mit BARF startest
- Bedarfswerte berechnen lassen
- Supplementplan erstellen
- Hygieneregeln umsetzen
- Tierärztliche Begleitung sichern
- Blutwerte regelmäßig kontrollieren
Literatur & Quellen
National Research Council (2006). Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press.
https://www.nap.edu/catalog/10668/nutrient-requirements-of-dogs-and-catsDillitzer, N. et al. (2011). Intake of minerals in BARF diets. Tierärztliche Praxis.
Finley, R. et al. (2007). The risk of Salmonella shedding by dogs fed raw diets. Canadian Veterinary Journal.
FEDIAF (2023). Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food.
https://europeanpetfood.org/self-regulation/nutritional-guidelines/WSAVA Global Nutrition Committee Guidelines
https://wsava.org/global-guidelines/global-nutrition-guidelines/
Du hast es bis nach unten geschafft!
Wieder nach oben?
