BARF für Katzen – sinnvoll oder riskant?

Close-up of a curious cat surrounded by blooming cherry blossoms in spring.

~10–12 Minuten Lesezeit

Immer mehr Katzenhalter beschäftigen sich mit BARF – also roher, biologisch artgerechter Fütterung. Die Idee klingt logisch: rohe Zutaten, kein Industrieprodukt, maximale Kontrolle über das Futter. Doch ist BARF für Katzen wirklich die beste Ernährung – oder birgt sie unterschätzte Risiken?

Katzen sind obligate Fleischfresser mit sehr spezifischen Nährstoffanforderungen. Schon kleine Fehler in der Zusammensetzung können langfristig gravierende gesundheitliche Folgen haben. Gleichzeitig berichten viele Halter von glänzendem Fell, besserer Verdauung und höherer Vitalität. BARF polarisiert – auch unter Tierärzten.

In diesem Artikel erfährst du was BARF für Katzen genau ist, wie es umgesetzt wird, welche Chancen und Risiken bestehen und für wen diese Fütterungsform wirklich sinnvoll ist.

Was bedeutet BARF bei Katzen überhaupt?

BARF steht für „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ und orientiert sich an der natürlichen Beute einer Katze.

Ziel von BARF:

  • Nachbildung einer Maus (Beutetierprinzip)

  • Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen

  • Verzicht auf industrielle Verarbeitung

Eine typische Beute besteht aus:

  • Muskelfleisch

  • Innereien

  • Knochen

  • Fett

  • kleinen Mengen Mageninhalt

BARF ist keine einfache Rohfleischfütterung, sondern ein Nährstoffkonzept.

Wie sieht BARF für Katzen konkret aus?

Typische Bestandteile einer BARF-Ration

1. Muskelfleisch (ca. 50–60 %)

  • Hauptproteinquelle

  • z. B. Huhn, Rind, Pute, Kaninchen

  • Liefert essenzielle Aminosäuren

2. Knochen oder Calciumquelle

  • Fein gewolfte Knochen oder

  • Eierschalenmehl / Calciumcarbonat

Ziel: korrektes Calcium-Phosphor-Verhältnis (ca. 1,1–1,2 : 1)

3. Fett

  • Tierisches Fett

  • Lachsöl oder Fischöl (Omega-3)

4. Innereien (ca. 15–20 %)

  • Leber (Vitamin A)

  • Herz (Taurin!)

  • Niere, Milz

⚠️ Über- oder Unterdosierung ist hier besonders kritisch.

5. Supplemente (Pflicht!)

  • Taurin (mind. 500–1.000 mg pro kg Futter)

  • Vitamin E

  • Jod (z. B. Seealgenmehl)

  • ggf. Vitamin B-Komplex

❗ Ohne Supplemente ist BARF nicht bedarfsdeckend.

Warum BARF für Katzen attraktiv wirkt

Viele Katzenhalter entscheiden sich für BARF, weil:

  • sie volle Kontrolle über Zutaten haben

  • keine Zusatzstoffe enthalten sind

  • sie industriellem Futter misstrauen

  • Katzen das Futter oft sehr gerne fressen

Das sind nachvollziehbare Beweggründe – aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte.

Die Vorteile von BARF für Katzen

1. Artgerechte Zusammensetzung

  • Sehr hoher Fleischanteil

  • Kaum Kohlenhydrate

  • Entspricht dem natürlichen Beuteschema

2. Hohe Akzeptanz

  • Intensive Gerüche

  • Natürliche Konsistenz

  • Besonders bei wählerischen Katzen beliebt

3. Transparenz & Kontrolle

  • Du weißt genau, was im Napf landet

  • Keine versteckten Zucker oder Füllstoffe

4. Potenzielle gesundheitliche Vorteile

Bei korrekt umgesetztem BARF berichten Halter oft von:

  • glänzenderem Fell

  • besserer Verdauung

  • weniger Kot

  • stabilerem Gewicht

Die Risiken von BARF – und die sind real

Hier wird es wichtig, ehrlich zu sein.

1. Sehr hohes Risiko für Nährstoffmängel

Studien zeigen:

  • Ein Großteil selbst erstellter BARF-Rationen ist nicht bedarfsdeckend

  • Häufige Mängel:

    • Taurin

    • Calcium

    • Vitamin D

    • Jod

Mängel zeigen sich oft erst nach Monaten oder Jahren.

2. Taurinmangel – besonders gefährlich

Katzen können Taurin nicht selbst synthetisieren.

Ein Mangel kann führen zu:

  • Herzmuskelerkrankungen

  • Netzhautschäden

  • Unfruchtbarkeit

  • Immunschwäche

Rohes Fleisch allein reicht nicht aus.


3. Hygiene & Keime

Rohes Fleisch kann enthalten:

  • Salmonellen

  • Campylobacter

  • E. coli

Risiko besonders hoch:

  • bei Kitten

  • bei immungeschwächten Katzen

  • für Menschen im Haushalt

Strenge Küchenhygiene ist Pflicht.


4. Zeit, Wissen & Verantwortung

BARF bedeutet:

  • Planung

  • Berechnung

  • Supplementierung

  • Lagerung

  • regelmäßige Anpassung

 „Einfach mal roh füttern“ ist keine BARF-Ernährung.

Für wen ist BARF sinnvoll?

BARF kann sinnvoll sein, wenn:

  • du bereit bist, dich intensiv einzuarbeiten

  • du mit Nährstoffrechnern arbeitest

  • du regelmäßig Rezepte überprüfst

  • deine Katze gesundheitlich stabil ist

BARF ist eher ungeeignet, wenn:

  • du Anfänger ohne Zeit bist

  • du keine Supplemente einsetzen willst

  • du unsicher im Umgang mit Rohfleisch bist

  • deine Katze spezielle Erkrankungen hat

BARF vs. hochwertiges Nassfutter

Hier wird es wichtig, ehrlich zu sein.

Kriterium

BARF

Nassfutter

Artgerecht

Nährstoffsicherheit

geringer Aufwand

Hygiene-Risiko

Alltagstauglich

BARF vs. hochwertiges Nassfutter

Artgerecht

BARF

Nassfutter

5/5

4/5

Nährstoffsicherheit

BARF

Nassfutter

2/5

5/5

Aufwand

BARF

Nassfutter

1/5

4/5

Hygiene-Risiko

BARF

Nassfutter

2/5

5/5

Alltagstauglich

BARF

Nassfutter

1/5

4/5

➡️ Für viele Katzenhalter ist hochwertiges Nassfutter der sicherere Kompromiss.

Häufige BARF-Fehler bei Katzen

  • Keine Supplemente

  • Zu viel Leber

  • Falsches Calcium-Phosphor-Verhältnis

  • Zu einseitige Proteinquellen

  • „Gefühltes“ statt berechnetes BARF

Gibt es sichere Alternativen zu BARF?

Ja – und sie sind oft unterschätzt:

  • Hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil

  • Monoprotein-Futter

  • Nassfutter + gezielte Ergänzungen

  • Teil-BARF (z. B. 1–2 Mahlzeiten pro Woche)

Artgerecht heißt nicht automatisch roh.

Fazit: BARF für Katzen – sinnvoll oder riskant?

BARF kann eine sehr artgerechte Ernährungsform sein – wenn sie korrekt umgesetzt wird.
In der Praxis scheitert BARF jedoch häufig an:

  • fehlendem Wissen

  • ungenauer Supplementierung

  • unterschätzten Risiken

Für die meisten Katzenhalter ist hochwertiges Nassfutter die sicherere und alltagstauglichere Wahl.
BARF ist kein Muss – sondern eine Option für sehr engagierte Halter.

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