Was braucht ein Hund wirklich? Grundlagen der artgerechten Hundeernährung
~10–12 Minuten Lesezeit
Viele Hundehalter möchten „alles richtig machen“ – und stehen trotzdem vor einem riesigen Fragezeichen, wenn es um die richtige Ernährung geht. Trockenfutter, Nassfutter, BARF, Getreidefrei, Proteinreich – aber was braucht ein Hund wirklich, um gesund, aktiv und vital zu bleiben?
Hunde sind zwar anpassungsfähig, aber ihr Körper stellt klare Anforderungen an Nährstoffe, Mengen und Qualität. Fehler in der Ernährung zeigen sich oft schleichend: stumpfes Fell, Verdauungsprobleme, Übergewicht oder langfristig ernsthafte Erkrankungen. Die gute Nachricht: Mit etwas Grundwissen lassen sich viele dieser Probleme vermeiden.
In diesem Artikel lernst du die grundlegenden Bausteine einer artgerechten Hundeernährung kennen – verständlich erklärt, wissenschaftlich fundiert und praxisnah umgesetzt.
Themenübersicht
Dies sind nur grobe Richtlinien, Hunde sind individuell und können unterschiedliche Bedürfnisse haben. Sprich es bei Besonderheiten bitte mit deinem Tierarzt ab.
Ist der Hund ein Fleischfresser – oder doch ein Allesfresser?
Diese Frage sorgt seit Jahren für Diskussionen. Die ehrliche Antwort lautet: Der Hund ist ein fakultativer Karnivore.
Was bedeutet das konkret?
Hunde stammen vom Wolf ab → klarer Fokus auf tierische Nahrung
Im Laufe der Domestikation haben sie sich teilweise an pflanzliche Bestandteile angepasst
Sie können Kohlenhydrate verwerten – aber nicht grenzenlos
Schlussfolgerung
Fleisch ist die Basis, pflanzliche Bestandteile sind eine Ergänzung – kein Ersatz.
Protein: Der wichtigste Baustein im Hundefutter
Proteine sind essenziell für:
Muskelaufbau & -erhalt
Immunsystem
Haut, Fell & Enzyme
Wachstum (bei Welpen)
Wie viel Protein braucht ein Hund?
Erwachsener Hund: ca. 18–25 % Rohprotein im Trockenfutter
Aktive Hunde / Junghunde: 25–30 %
Senioren: leicht reduziert, aber hochwertig
Worauf kommt es wirklich an?
Nicht nur die Menge zählt, sondern die Qualität:
–Hochwertige tierische Proteine (z. B. Huhn, Rind, Fisch, Lamm)
-Gute Aminosäurezusammensetzung
-Hohe Verdaulichkeit
Zu vermeiden:
„Tierische Nebenerzeugnisse“ ohne klare Deklaration
Protein aus minderwertigen Schlachtabfällen
Fett: Energielieferant und Geschmacksträger
Fett ist kein Feind – sondern lebenswichtig.
Warum Hunde Fett brauchen:
Energiequelle (doppelt so energiereich wie Protein)
Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K)
Gesunde Haut & glänzendes Fell
Empfohlener Fettgehalt:
Erwachsene Hunde: ca. 10–15 % Rohfett
Sehr aktive Hunde: bis 20 %
Besonders wichtig sind:
Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus Fischöl)
Omega-6-Fettsäuren (z. B. aus Geflügelfett)
Das Verhältnis sollte ausgewogen sein, um Entzündungen zu vermeiden.
Kohlenhydrate: Notwendig oder überflüssig?
Kohlenhydrate liefern Energie, sind aber nicht essenziell für Hunde.
Gute Kohlenhydratquellen:
Reis
Kartoffeln
Süßkartoffeln
Hafer
Schlechte Kohlenhydrate:
Zucker
Weißmehl
billige Füllstoffe (z. B. Mais in großen Mengen)
Richtwert: Kohlenhydrate sollten nicht mehr als 30–40 % der Gesamtration ausmachen – je nach Aktivitätslevel.
Vitamine & Mineralstoffe: Kleine Mengen, große Wirkung
Ein Mangel oder Überschuss kann langfristig ernsthafte Folgen haben.
Wichtige Nährstoffe:
Calcium & Phosphor: Knochen & Zähne
Zink: Haut & Fell
Vitamin A: Sehkraft
B-Vitamine: Stoffwechsel & Nervensystem
❗ Besonders wichtig bei:
Welpen (Wachstum!), Trächtigen Hündinnen, Senioren
Hochwertige Alleinfuttermittel sind bereits ausgewogen – bei Selbstgekochtem oder BARF ist Supplementierung Pflicht.
Wie viel sollte ein Hund fressen?
Die richtige Futtermenge hängt ab von:
Gewicht
Alter
Aktivitätslevel
Kastrationsstatus
Grober Richtwert:
2–3 % des Körpergewichts pro Tag (bei normal aktiven Hunden)
Beispiel:
10 kg Hund → ca. 200–300 g Futter täglich
! Übergewicht ist eines der häufigsten ernährungsbedingten Probleme bei Hunden!
Unterschiede nach Lebensphase
Erwachsene Hunde
Erhaltungsbedarf
Ausgewogene Zusammensetzung entscheidend
Welpen
Höherer Energie- & Proteinbedarf
Mehrere kleine Mahlzeiten
Spezielles Welpenfutter empfohlen
Senioren
Weniger Energie
Hochwertige Proteine
Unterstützung für Gelenke & Organe
Woran erkenne ich gutes Hundefutter?
Gute Anzeichen:
✔ Klare Deklaration der Zutaten
✔ Hoher Fleischanteil
✔ Keine künstlichen Farb- & Konservierungsstoffe
✔ Ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis
Warnsignale:
❌ Unklare Begriffe
❌ Zucker, Karamell, Melasse
❌ Sehr lange Zutatenlisten mit Füllstoffen
Typische Ernährungsfehler bei Hunden
Zu viele Snacks & Tischreste
Falsche Portionsgrößen
Ständiger Futterwechsel
Menschliche Lebensmittel (Zwiebeln, Schokolade, Trauben!)
Merke: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
Fazit: Artgerechte Hundeernährung beginnt mit Verständnis
Eine gesunde Hundeernährung muss nicht kompliziert sein – aber sie sollte durchdacht sein. Wer die grundlegenden Bedürfnisse seines Hundes kennt, trifft automatisch bessere Entscheidungen beim Futterkauf und im Alltag.
Hier gehts zum Vergleich zwischen Nass und Trockenfutter für Katzen
Und hier zu den basics der Katzenernährung
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